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Aus der Zeitschrift “AKUSTIK GITARRE” Ausgabe 4/2002

 

“Herausforderung”

 

                                     ATELIER TRAUDT - KONZERTGITARRE “ARTIST SPECIAL” 8-SAITIG Artist_Special_8String_1

 

  Von Franz Holtmann

Wem sechs Saiten nicht genügen, dem kann geholfen werden. Cornelia Traudt fertigt auf Wunsch auch Konzertgitarren mit extra breitem Hals und zusätzlichen Saiten.

Die Elsässerin begegnet aufmerksamen Lesern der AKUSTIK GITARRE nicht das erste Mal. Zuletzt stellten wir eins ihrer feinen Instrumente in der Januarausgabe 2001 vor. Heute kommt sie mit einer 8- saitigen Konzertgitarre zum Test.

 

Konstruktion

Die "Artist Special' in der Standard-Ausführung haben wir in Ausgabe 1/01 bereits näher untersucht. Das jetzt vorliegende Instrument bietet neben dem extrabreiten Hals für zusätzliche 2 Saiten auch noch Palisander als Korpusholz. Es existiert allerdings noch ein Schwesterinstrument in Bergzwetschge, gefertigt also aus jenem heimischen Holz, das Cornelia Traudt für die getestete 6- saitige Artist Special verwendet. Aber von Anfang an: Vom optischen Eindruck her meint der Betrachter der 8-Saitigen zunächst, er hätte es insgesamt mit einer etwas größer dimensionierten Gitarre zu tun. Das ist jedoch nicht richtig, jedenfalls was die Korpusdimensionen angeht. Die entsprechen dem üblichen Standard, und allein der Hals mit seinem vergrößerten Kopf für die zusätzlichen Mechaniken erweckt den zuvor beschriebenen Eindruck. Feines massives Palisanderholz wurde für den leicht gewölbten Boden über einen schmalen Zierspan spiegelbildlich aufgeschlagen und zu Zargen gebogen. Ein grüner Dekorstreifen umschließt allseitig die Korpusränder unterhalb der ungewohnt zierlichen Bindings aus Palisander.

Beste Bergfichte mit feiner Querstruktur wählte die Gitarrenbaumeisterin als Deckenmaterial. Unterbaut ist die Decke von fein beschliffener, filigraner Beleistung. Auch die übrigen Arbeiten an der Innenwelt der "Artist" zeigen detailversessene Akkuratesse. Die Schalllochrosette spiegelt akzentuiert die dunklen Palisanderfarben von Kopf, Korpus und Steg wider. Der Letztere ist mit einer der Saitenzahl entsprechend verlängerten Einlage aus Knochen ausgestattet und mit einem Knochenaufleimer verstärkt.

Aus Cedro wurde der breite Hals geschnitzt, die Kopfplatte beidseitig mit Palisander belegt. Das üppige, plane Griffbrett aus blank geschliffenem Ebenholz ist auf der Diskantseite bis in das Schallloch hinein gezogen und wird für die Basssaiten vom 12. Bund aus in leichtem Winkel schräg nach innen bis zum Schalllochrand geführt. Das spart etwas Gewicht; man kann aber natürlich auch eine Gitarre mit geradem Griffbrett ordern. Die 20 glänzend polierten Bünde mittleren Kalibers sind bemerkenswert sauber bearbeitet. Hochwertige, vergoldete Mechaniken aus dem Hause Schaller verfügen über Ebenholzflügel und schwarze Wellen, sorgen zudem mit weichem, präzisem Lauf für beste Bedingungen in Hinsicht auf die Stimmung der Gitarre. Cornelia Traudt zeigt auch bei ihrem 8-saitigen Modell wieder in jeder Hinsicht schönstes künstlerisches Handwerk. Die Artist Special verfügt über eine Mensur von 65 cm, ist mit einer aufwendigen Schelllack-Handpolitur versiegelt und wird in einem würdigen Hiscox Pro Koffer geliefert.

 

Klang- und Spieleigenschaften

Na, das braucht zunächst nicht wenig Zeit, bis so eine 8-saitige Gitarre mit ihren 4x4
Mechaniken und dem anfangs noch nachgebendem Saitenzug in die richtige Stimmung gebracht ist. Mit diesem Surfbrett von Hals muss der in dieser Hinsicht ungeübte Spieler auch erst einmal umgehen lernen, dArtist_Special_8String_2ie Saiten erkennen und mit Sicherheit anschlagen in ihren ungewohnten Positionen. Es dauert also, bis die allgemeine Übersicht am Griffbrett gewonnen ist; dann aber erweist sich solch eine Erweiterung des klanglichen Arsenals als absolut bereichernd. Das Mehr an Halsmasse führt wider Erwarten gar nicht mal zu auffälligen Veränderungen der Klangentfaltung, was zugegeben etwas schwer zu beurteilen ist, da kein identisch gebautes Vergleichsinstrument mit Normalbesaitung zur Verfügung steht. Immerhin war das Seziermesser vor einiger Zeit schon einmal an einem solchen Modell im Einsatz und so fußt die Behauptung halt immerhin doch auf Erinnerung. Erweitert erscheint jedoch das Resonanzverhalten des Instruments aufgrund der zusätzlich in Schwingung gebrachten Leersaiten. Hier wird der Spieler zum Teil durch mehr Dämpfarbeit gefordert, andererseits ist das Spiel mit den zusätzlichen Resonanzen bei entsprechender Tonartwahl je nach Stimmung aber unter Umständen nicht nur beiläufig attraktiv, sondern eher erwünscht und wird demgemäß funktional eingebunden.

Nimmt man nur die gewohnte Saitenzahl ins Blickfeld so gefällt zunächst der dichte, lang tönende Diskant mit fester Artikulation und schönem Schwingungsverlauf. Auf der anderen Seite steuert der Bass auch ohne seine Erweiterungssaiten schon ein gut gewichtetes, den Diskant kräftig abstützendes Fundament bei. Sanft abgerundete Konturen geben den plastisch und rund artikulierenden Bassfrequenzen eine hohe Güte; samtene Obertöne greifen dem Ton nach dem Anschlag förmlich unter die Arme, bereichern seine Entfaltung. Dieser lebendige Atem wird begleitet von einem langen, glatt ausschwingenden Sustain. Die auf D7 und A8 gestimmte Tieftonabteilung fügt nun noch die Bass-Noten zu, die, soweit nicht nur als Bordun gebraucht, von der greifenden Hand gute Spreizkräfte fordern. Die Reaktion auf den Anschlag erfolgt naturgegeben bei weicherer Spannung und größerem Saitengewicht etwas später. Je dicker die Saite, desto träger kommt sie in Schwingung. Das gilt hier vor allem für die tiefe A8-Saite, ist soweit aber völlig normal, und davon abgesehen überzeugt die sonore Kraft und klare Tonentfaltung auch in diesem eher heiklen Bereich. Trotz relativ bequem eingerichteter Saitenlage kommen auch bei kräftigem Anschlag insgesamt betrachtet nur wenig Nebengeräusche zu Gehör.

Wer übrigens gewohnt ist, den Daumen der rechten Hand beim Spiel an der Griffbrettkante in Schalllochnähe abzustützen, der schaut allerdings in die Röhre, denn das nach innen geführte Griffbrett der Artist Special bietet diese Gelegenheit zumindest in der vorliegenden Ausführung nicht. So ein achtsaitiges Instrument verlangt aber eh eine grundlegende Änderung der Spietechnik und Handhaltungen, ebenso der interpretatorischen Phantasie, auch wenn sich schon nach kurzer Zeit ein Gefühl für die erweiterten Möglichkeiten einstellt. Der klangliche Charakter der Artist Special ist in Summe betrachtet als eher fein und vornehm zu beschreiben, also keineswegs als vordergründig, wie bei so manch anderer Gitarre, die den eher rustikalen Spieler auf der Suche nach dem schnellen Erfolg sucht. Ihre Stärken wollen erst entdeckt werden, erschließen sich nicht schon bei der ersten Begegnung, In ihr schlummern facettenreiche Farben für den Spieler mit gut entwickelter Tonkultur.

Die Traudtsche Bauweise kommt folglich dem musikalischen Feinschmecker entgegen, der sich die Klänge auf der Zunge zergehen lassen will. Kein Wunder eigentlich auf diese Parallele zu kommen, wo doch im Elsass bekanntlich feine, manche sagen gar die beste Küche geboten wird. Ob so etwas durchschlägt auf das künstlerische Handwerk?

Technische Daten

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Typ

Konzertgitarre

Modell

8 saitige Artist Special

Mensur

65 cm

Decke

Alpenfichte, massiv

Boden/Zargen

ostindischer Palisander, massiv

Hals

Cedro, beidseitig mit Palisander belegt

Griffbrett

Ebenholz

Anzahl der Bünde

20

Halsbreite Sattel

73,5 mm

Halsbreite 12. Bund

83,2 mm

Mechanik

auf Anfrage

Steg

Palisander mit Knochenaufleimer

Sattel und Stegeinlage

Knochen

Finish

Schellack-Handpolitur

Besonderheiten

8-saitige Ausführung

Preis

auf Anfrage (Hiscox Koffer inclus)

Fazit

Auch mit der 8-saitigen Version ihrer Artist Special weiß Cornelia Traudt zu überzeugen. Auf bestem handwerklichen Boden gedeihen somit lockende Früchte, die dem Gourmet das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Das Instrument bietet feine Tonkultur, mit harmonischem Obertonspektrum und gutem Atem in der Klangentfaltung. Das nach unten erweiterte Klangspektrum öffnet dank des größeren Tonraums zusätzliche Möglichkeiten in der Darstellung historischer Musik, z.B. in der Bearbeitung von Lautentabulaturen aus dem Barock, ebenso aber in Hinsicht auf die moderne Tonschöpfung, man denke nur etwa an Egberto Gismonti, der 10- bis 14-saitige Gitarren spielt. Wer also neue Herausforderungen sucht, dem baut Cornelia Traudt das passende Instrument in die Hand. Ein Besuch im Elsass lohnt folglich allemal, selbst wenn man so ganz nebenbei auch nur schön Essen geht. Dem Genießer empfohlen.

Vive la petite différence!

 

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